Coolness ist Bluff

Grigori Rasputin, the famous Russian mujique (...

Image via Wikipedia

Der folgende Text entstand heute morgen am ersten Tag des neuen Jahres.

Er richtet sich an alle die ebenfalls im piratigen Zusammenhang aktiv sind und/oder sich für Kommunikationsprobleme interessieren.

Es geht darum, wie uns verschiedene Verhaltensmuster – vor allem das ‚Coolsein‘-  davon abhalten richtig frei miteinander zu reden. Ich halte diese Kommunikationsprobleme für sehr wichtig wenn wir uns anschauen wo unsere gemeinsame Arbeit an einer anderen Welt manchmal dran hapert.

Coolness ist ein Bluff mit dem wir uns gegenseitig zum Schweigen zwingen. Wir können uns damit auch zu anderen Dingen zwingen, häufig ist es aber hauptsächlich das ‚Du hälst die Klappe – Ich rede, denn du bist uncool und ich weiß wie der Hase läuft‘. Wer blufft der pokert, er spielt falsch, belügt, betrügt, um sich selbst einen Vorteil zu verschaffen. Gepokert wird dabei um die Chips der falschen Anerkennung und des falschen Respekts. Falsch darum, weil aufgrund von Bluff entstanden. Wer beim Pokern gewinnt hat sich nach oben gebissen ohne unbedingt etwas von Wert zu besitzen.

Kurdish dance during a wedding in Sanandaj, Iran.

Image via Wikipedia

Cooles Verhalten, Cooles Reden, Cooles Aussehen, Cooles Wissen. Das ist alles hohl und hat einzig die Absicht andere abzuwerten, sich selbst aufzuwerten. Es geht lediglich ums hierarchisieren. Der coole ist dabei sich in einem entfernten Sinne alle anderen Untertan zu machen.

Dabei stellt sich die Frage was diese Auf- und Abwerterei für einen Zweck hat, wozu dieser Wert überhaupt notwendig ist. Wozu müssen wir wertvoll sein? Sind wir ein Blumenkohl auf dem Wochenmarkt? Müssen wir besonders Groß, von prächtiger Farbe und gutem Geschmack sein? Was soll denn der Mist?

Cooles Verhalten ist beispielsweise auch das Benutzen von fancy wörtern oder Namedropping. Also das benutzen einer Sprache die anderen nicht bekannt ist.

Rasputin. Ingres. Brussilow. Ich approximiere den Leitstofftransport.

DSC_3383

Image by patrihito via Flickr

Wie cool ICH bin!

Wer nicht nachfragt und den Bluff zulässt, macht die Untersdrückung komplett. Man lässt sich auf einen faulen Deal ein: Um nicht dumm darzustehen, akzeptiert man die Schikanierung des ‚Coolen‘ und wird somit zum persönlichen Fussabtreter.

Gelungene Zusammenarbeit vor allem in durchmischten Gruppen kann meines Erachtens nach erst dann gut laufen, wenn auf gleicher Augenhöhe gesprochen wird. In einer verständlicen Sprache. Mama und Papa war gestern. Das Lehrer-Schüler-Konzept ist veraltet. Wir sind alle Leute und können normal miteinander reden, oder nicht?

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6 Antworten to “Coolness ist Bluff”

  1. Klingt ganz gut. mir scheint, als hätte ich an einem inneren dialog eines anderen zugehört. anstoßfragen für den leser fände ich passend. so dass eine, vom verfasser eingeleitete, selbstreflektion beginnen könnte.
    wann bist du cool? wann bist du nicht cool? warum ist das mal so und mal so? was passiert, wenn du dich „andersherum“ verhälst. also wo du sonst cool bist, offen sprichst und wo du sonst offen sprichst, mal auf cool machst?!
    das silvesterzitat scheint mir fast im gleichen atemzug entstanden zu sein ;-). gefällt mir auch sehr gut! innererdialogstyle eben!

  2. ich hatte eigentlich garnicht die absicht bei leuten gedanken auszulösen, deswegen auch keine selbstreflexion-anregenden fragen! das hier ist einfach ein ‚ich denke so‘ ein ‚das musste mal raus‘.

    ich freu mich über eine ergänzung oder weitere reflexion, die pädagogische kritik find ich ehrlich gesagt voll unpassend. aber wenn du selbstreflektierende fragen hast haben wir sie jetzt ja und leute können auch selbst drüber nachdenken 😉 zwei fliegen mit einer klappe.

  3. aber sonst danke für das positive feedback 🙂
    ich habe das nur grad wie jemenschen zu besuch wahrgenommen der an meiner inneneinrichtung etwas auszusetzen hat und mir empfiehlt mein sofa umzustellen, obwohl er/sie ja garnicht da wohnt.
    aber wohnungen sind eh blöd. viva die kommunen

  4. du bist soo cool, wenn du ehrlich bist! 😛
    ich mag deine inneneinrichtung, da muss nix groß umgestellt werden. den text habe ich einfach in meine inneneinrichtung fließen lassen und dann das werk meiner ausstattung angepasst.
    kommunen hin oder her, ein eigenes zimmer braucht mensch schon. ich lasse dein sofa immer stehen wo du es haben willst und unterlasse aber trotzdem nicht, werke anderer durch meinen fenstern zu sehen und ein bisschen mit meiner stimme darüber zu fließen. peace 🙂

  5. „Coolsein“ ist spasshaft. Nur die wenige verstehen das, allerdings müssten sie dazu jede leute die einen auf „Cool“ machen auch kennen um zu verstehen warum sie so sind. Ernsthaft „Coolsein“ sind eigentlich nur heranwachsende Jugendliche die nichts an sich herankommen lassen wollen.

  6. ich glaube auch erwachsene können einen auf cool machen und ernsthaft ‚coolsein‘ wie du es formulierst. das ziel wird wohl dasselbe sein – jemanden nicht an sich ranlassen. aber dass coolsein spasshaft ist, glaub ich auch. wie geil ist es bitte richtig mega cool zu fünft in nen bus oder einen zug einzusteigen und sich irgendwo hinzuchillen und scheisse zu machen? fazit: seeeehr geil

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