Menschen erkennen

Über das Menschenerkennen

Dies ist ein Text zum eigenständigen und praktischen Erarbeiten von Beobachtungen. Tausche dich auch mit anderen über deren Beobachtungen aus.

Warum ich diesen Text geschrieben habe? Ich denke es ist wichtig, zu erkennen in welcher Umgebungssituation man sich befindet. Natürlich hängt es eng damit zusammen, was man tut, ob man Hilfe braucht oder ob man einfach nur sein Ding durchziehen will und alle anderen sind egal. Aber ich möchte auch zum Beobachten und Verstehen von Menschen, Zusammenhängen und Systemen anregen. Wer ein guter Beobachter ist, kann schneller als andere Dinge, Situationen und Momente durchschauen und nicht selten kann dies ein großer Vorteil für alle folgenden Handlungen sein. Ganz wichtig ist noch zu sagen, dass das Beobachten immer unauffällig erfolgen sollte! Starren ist ein Akt von Aggressivität, verfälscht somit alle Handlungen und Reaktionen der zu beobachtenden Person und kann eventuell als unangenehm erlebt werden, weil man zurück angestarrt wird. Dabei wollte man doch „nur beobachten“. Versuche verträumt auszusehen, gucke die Person nicht direkt an (schon gar nicht für längere Zeit ins Gesicht!) und versuche nur aus den Augenwinkeln zu beobachten. Nutze wenn möglich auch deine Ohren, sie können für deine Beobachtungsfähigkeiten sehr bereichernd sein.

Praktische Übungen zum Einschätzen von Menschen

Guck dir den Menschen an. Denk dir eine Frage aus und frage die Person in Gedanken. Es muß eine Frage sein, die sich mit „ja“ oder „nein“ beantworten läßt. Würde die Person nach deiner Einschätzung eher mit „ja“ oder eher mit „nein“ (oder vielleicht gar nicht) antworten?

Was tut die Person? Wo will sie hin? Warum ist sie an diesem Ort? Hat die Person es eilig oder hat sie Zeit? Warum könnte sie diesen Ort gut finden und sich hier vermutlich noch etwas aufhalten?

Welchen Gemütszustand hat die Person? Nervös, gelassen, gleichgültig, beobachtend, unsicher, abwartend, sich um schauend, gelangweilt, suchend?

Welcher Beruf mag zur Person passen? Handwerk, Dienstleistung, Sozialarbeit, Papier- und Büroarbeit, schwere körperliche Arbeit, Nachtarbeit, Student, Arbeitslos? Was schätzt du, wie arbeitet sie; eher mit dem Kopf oder eher mit dem Körper?

Was trägt die Person für Kleidung? Markenkleidung als Gruppenzugehörigkeitsmerkmal? Praktische aber nicht fein aufeinander abgestimmte Kleidung? Praktische und modisch schick aufeinander abgestimmte Kleidung (augenscheinlich und auffallend gut)? Teure Designergarderobe um vielleicht Prestige auszudrücken? Billige, modische, dem Wetter nicht unbedingt entsprechende markenlose Bekleidung?

Was denkst du, wonach könntest du die Person Fragen und mit möglichst hoher Wahrscheinlichkeit das erhalten wonach du fragtest? Beispiele: Zigarette, Feuer, 20cent zum Telefonieren, Auskunft, Uhrzeit, sms schreiben lassen, Wettervorhersage, Taschentuch, Fahrkarte, dass sie dich kurz mit deinem Fotoapparat fotografiert, etc.

Wer nun ein Gespür für die Menschen, ihre Absichten und ihren grob geschätzten Charakterzüge entwickelt hat, kann unter Umständen einen direkten Nutzen für sich daraus ziehen. Der folgende Text mag zwar nicht unbedingt für jeden Leser von Bedeutung sein, aber ein interessantes Beobachtungsspiel ist es allemal!

Ladendetektive, Kaufhausdetektive und zivile Fahrkartenkontrolleure erkennen lernen

Um eine schnelle und einfache Übersicht von Erkennungsmerkmalen und Eigenheiten zu geben, halte ich die Ausführungen kurz.

-Im Sommer tragen Ladendetektive lange Hosen, denn im Klimaanlagengekühlten Geschäft ist es frisch. Alle anderen Menschen tragen kurze Hosen, oder sehen zumindest durch die Wärme der langen Hose gebeutelt und verschwitzt aus (nicht aber der Ladendetektiv 🙂 ).

-Im Winter sind die Detektive die einzigen, die keine Jacke tragen und genau wie die Kontrolleure sich keinem Schaal, keinen Handschuhen und keiner Mütze bedienen.

-Im Falle von Dauerregen: Wenn es sich um ein Geschäft handelt, dass man direkt von der Strasse aus betritt, also nicht einem großen, überdachten Einkaufszentrum, so wird der Ladenhüter der trockenste „Kunde“ sein. Seine Schuhe und Beine sind trocken und einen Schirm hat der so trockene auch nicht mit. Dann war er wohl schon den ganzen Tag dort, wo es nicht naß ist. Unter bestimmten Vorraussetzungen gilt dieses Erkennungsmerkmal auch für Fahrkartenkontrolleure.

-Weniger eindeutig, aber dennoch auffällig: wenn sich die Person Detektiv „unauffällig“ Waren ansieht (wohl möglich zufällig ständig in deiner Nähe), wo jeder Menschenverstand schon weiß, dass diese Person so etwas nicht kaufen wird. Entweder entsprechen die Farben weder dem Alter noch dem Stil des Detektivs oder es sind Dinge, die gar nicht auf ihn zugeschnitten sind (Pflegespülungen, Nagellacke, Babykost, Windeln, Sportbekleidung, etc.).

-Fast nie hat ein Ladendetektiv Waren in der Hand! Er wählt nichts aus, denn er ist kein Kunde. Seine Hände müssen immer einsetzbar und griffbereit sein!

-Auch Kontrolleure haben immer leere Hände. Sie tragen keinen Schirm, keine Zeitung, kein Buch und keinen Cafe mit sich!

-Er wirkt eher „passiv“, geht ziellos von einem Regal zum nächsten ohne den Anschein zu erwecken ein Produkt zu suchen. Er spaziert förmlich durch das Geschäft. Er ist ein ewig „Suchender“, der sich umguckt und wirkt, als wisse er weder wo er ist noch was er hier will, denn er schaut sich zu häufig um.

-Er ist ein Mitarbeiter wie die Kassierer_innen und Regalpacker_innen. Eventuell lassen sich Gespräche unter Kollegen beobachten. Ganz sicher verabschieden sie sich nach einem Gespräch nicht voneinander (kein Verabschiedungsausspruch und keine Verabschiedungsgesten), denn es ist ja noch kein Feierabend und sie werden noch zusammen im Geschäft arbeiten.

-Ladendetektive sehen manchmal so aus, als würden sie sich beobachtet fühlen, denn sie schauen sich so oft um. Schaut sich jemand zu oft um (fast wie ein Dieb, der sicher gehen will, dass die Luft rein ist), so ist dies eventuell mit Vorsicht zu genießen.

-Du glaubst einen Detektiv entdeckt zu haben und möchtest wissen, ob du vielleicht recht hast: Ein Versuch könnte sein ihn zu fragen (so wie du einen fremden Kunden ansprechen würdest, weil nicht genug Personal im Geschäft ist), wo sich diese oder jene Ware befinden könnte. Ist der zuvor scheinbar orientierungslos bestens informiert? Wirkt er abgearbeitet und unfreundlich, aber dennoch nicht gestreßt wie ein eilig einkaufender Kunde? Beäugt er dich? Guckt oder geht er dir nach?

-Besser noch als die Frage nach der Ware ist das Beobachten des Geschäftes über einen längeren Zeitraum. Je öfter du ihn in dem Laden triffst, desto sicherer kannst du dir sein, dass er dort arbeitet.

-Kontrolleure in zivil tragen dennoch Berufskleidung. Manchmal haben sie alle, oder mindestens zwei von ihnen, die gleichen Schuhe an!

-In ihren Jackentaschen zeichnen sich manchmal die Blöcke ab, auf welche die Schwarzfahrer geschrieben werden.

-Wenn du die ersten Übungen zum Menschenerkennen gemacht hast, wirst du merken, dass es fast nie (und schon gar nicht zur Hauptverkehrszeit) „ältere“ Männergruppen an Bahnstationen gibt, die ohne Aktenkoffer oder Rucksack zusammen unterwegs sind. Da sie keine offensichtlichen Arbeitsmaterialien haben (Bauarbeiterkleidung, Aktentasche, etc.), sind sie recht auffällig. Sie sehen nicht wie (Büro)Arbeitskollegen oder Touristen aus und das Abschätzen ihrer Absicht, bzw. Zusammenkunft ist schwer bis unmöglich. Spät abends könnte es sich bei dieser Gruppenkonstellation um einen Kneipenausflug handeln.

-Eine Gruppe aus drei Männern (zwischen 35 und 55 Jahren) und einer Frau ist ebenfalls ungewöhnlich. Im Zweifelsfalle lieber aussteigen, wenn man keine Karte hat.

Dieser Artikel wurde verfasst von cassio-pay-ya

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‘Menschen erkennen’ und alle seine Bestandteile stehen unter einer Creative Commons Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 Deutschland Lizenz.
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12 Antworten to “Menschen erkennen”

  1. cassio-pay-ya Says:

    nicht „bebeutelt“ :-)!
    gebeutelt! so wie völlig alle, verschwitzt, falsch bekleidet.

  2. tatsache, doch noch was übersehen gehabt 😉
    nun zufrieden?

  3. cassio-pay-ya Says:

    aber na klar doch! Danke. zum glück weiss niemand, dass ich nciht richtig schreiben kann.
    ich hab keinen schimmer, wie mir das bebeuteln passieren konnte! Wie sieht denn jemand aus, der bebeutelt ist!? So wie der Weihnachtsmann vielleicht?

  4. party pirate Says:

    mittlerweile haben die fahrkartenkontrolleure in berlin schon dazu gelernt.
    sie tragen rucksäcke oder umhängetaschen, steigen mal zusammen mal alleine ein. es wird auch samstags gearbeitet, vll sogar sonntags.
    sie machen ihre jacken schön zu dass man das band an dem ihr ausweis (meistens) hängt nicht sieht.
    was mir noch aufgefallen ist: es sind oft „bullige“ typen. mindestens ein, zwei von denen haben ein ordentliches kampfgewicht^^
    außerdem laufen sie natürlich auseinander falls sie wirklich zusammen eingestiegen sind. wenn sie sich also unterhalten und nach dem einsteigen schön verteilen ist das auffällig.

    letztendlich bleibt einem nicht viel zeit um sie zu erkennen und dann auszusteigen. falls ihr es nicht geschafft habt bleibt man am besten einfach ruhig an seinem platz und macht das gleiche wie davor. wenn „viel zu tun“ ist übersehen sie einen auch schonmal. volle oder sogar überfüllte bahnen sind sowieso die beste absicherung.

    nach diesem langen kommentar noch eine bemerkung: diese leute können euch nicht wirklich etwas anhaben. sie haben keine polizei befugnisse, sie sind auch nicht vom wachdienst oder ähnliches.
    sie dürfen euch (nur) im bereich des bahnhofes festhalten und gegebenenfalls die polizei holen, aber sie dürfen euch keinen schaden zufügen ode mit gewalt festhalten.

    im äußersten fall ganz voller reue einwilligen und
    A) einen falschen namen angeben (den sollte es allerdings geben, ihr kennt bestimmt jemand den ihr nicht mögt :P) oder einfach
    B) wenn die tür aufgeht lossprinten 😛 achtet auf andere kontrolleure und rennt nicht in deren arme. die bulligen typen sind wahrschienlich eh nicht so die starken läufer. 😀

    so jetzt ist mir aufgefallen dass das mittlerweile nix mehr mit menschen erkennen zu tun hat 🙂

  5. cassio-pay-ya Says:

    oh man! soviele besucher!!! aber irgendwie ist dieser text unbeliebter als der übers schultergelenk! und außerdem hinterlässt echt keiner mal irgendwo nen komtentar! alles muss man selber machen ;-)))
    the grogkocher wird noch alle grog abhängig machen! 😉

  6. hey doch doch, party pirate ist doch schonmal als dritter hier im gespräch, der hat nur rausgekriegt wie er mein bild mopst der sauhund 🙂

    und: …hallo?!?! schultergelenk ist doch mal um lääääängen spannender 🙂

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  8. Danke für den Beitrag!

    Genau so etwas habe ich schon lange gesucht. =P

    Silas

  9. Online CC Checker Anonymous 2011 ==>> cordalis.0fees.net

  10. Smoky mc pot Says:

    nice nice, die beste Taktik, so finde ich, ist, schnell rein raus 😀

  11. Ich schätze deine Beobachtungsgabe sehr. Besonders in Zeiten, wo zivil und staatliches immer schwer zu trennen werden, als Beobachter musstest du wohl schon merken dass z. B., in Berlin, laut Uniform, Wache, Ordnungsamt Beamte und Polizisten schon kaum zu unterscheiden sind, die sehen alle schon fast gleich aus, warum? Weil irgendwann wird es keine Unterschiede mehr geben, es wird ein Militärstaat geben und da ist oben nur die Macht und da unten nur die Zivilisten.

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