utopia-award

Samstag 15.11 13:15 MEZ.

gemächlich schlendern wir dem radialsystem V entgegen.

warum? utopia-konferenz!

die internet-community utopia, die eigentlich schon auf dem besten weg ist mehr zu werden als lediglich eine internet-community, lädt ein, sich die visionen der großen „changemaker“ unserer zeit anzuhören, ideen zu sammeln, inspiration zu finden und sich zu vernetzen.p10100441

vor ort sehen wir luxoriöse hybrid-shuttles von lexus, einem der partner der konferenz, leute mit headsets, plasma-bildschirme und schlipsträger. wir fragen uns kurz wo wir sind und ob uns kaviar angeboten wird, treten dann aber ein und werden überrascht. die presse-akkreditierung läuft problemlos ab, obwohl daffy vorher garnicht angemeldet war. wir gehen rein und sehen dass wert gelegt wird auf ‚richtiges‘, wir sehen bio brötchen und natur-romantisierende zeitschriften, menschen die sich angeregt über aktuelle themen unterhalten. flyer. da geht was, die haben was vor.

im konferenzsaal ist viel platz, die leute sind noch in der mittagspause und wir machen es uns gemütlich.

die folgenden redner bringen verschiedene themen vor, robert rubinstein erzählt über green investments und redet firmenchefs geschickt ins gewissen, er legt dar, dass die einzige sprache, die große konzerne sprechen, die des geldes ist, steuern, nachteile, einbußen. ‚pain‘.

was wichtig ist um diese konzernsysteme zu verstehen, sind ihre interessen und die können unterschiedlicher natur sein, aber doch grundsätzlich ziemlich kapitalistisch und damit kalkulierbar.

apropos kapitalismus. wir wissen am ende seines vortrags nicht recht was wir von ihm halten sollen. würden wir zusammen mit ihm auf einer couch sitzen, würden wir vielleicht verschiedene dinge mit ihm diskutieren. ob es der versuch wert ist alle dinge in den wertschöpfungsprozess einzubeziehen, ob er wirklich glaubt, dass er sich für eine heile welt einsetzt und nicht nur für das wachstum seiner investment gruppe, ob er das als ein und das selbe sieht, nicht dass wir das glauben würden, das portfolio der TBLI-conference etc. sieht wunderbar aus, aber wo kommen unsere fragen dann her?

sch1der nächste redner war michael anthony, der über micro-financing referierte, bzw. für seine versicherung warb. wir haben zwei zeilen notizen gemacht und die zitieren seine aussage „..wir haben eigentlich keine ahnung von den verhältnissen der armen, da besteht ja auch kein kontakt, aber die ngo’s mit denen wir zusammenarbeiten…“. kein vorwurf, aber wir sind nicht gekommen um sowas zu hören, da war kein hauch von überzeugung.

danach kam der burner. die redner und rednerinnen die anschließend sprachen sind ebenfalls nennenswert, aber die crux der konferenz stellt für uns nur eine person dar: michael braungart und sein cradle to cradle konzept. ruhig und bedachtsam, war er sich seiner sache sicher und trug vor, was so garnicht normal war. mit einem didaktischen vorschlaghammer zerschlug er zuerst sämtliche säulen auf denen herkömmliches öko-gehabe aufbaut, gab gleichzeitig rettungsringe an die hand an denen der unvorbereitete zuhörer, verstört von so radikalem umsturz konventioneller vorstellungen, sich begierig festklammerte, wenn auch zum teil skeptisch, angesichts der fremdartigkeit. aber es fühlte sich gut an was dieser man da sprach. er sprach nicht von weniger abfall, er sprach von keinem abfall. er sprach nicht von weniger emissionen, er sprach von 100% emission, emission von nährstoffen, von gutem, von produktivität. er erklärte das problem der überbevölkerung bestehe nicht so wie es angenommen wird. er sprach von revolution und erwähnte öfters: p1010011

„Wir müssen nochmal von vorne anfangen und die Dinge komplett neu erfinden. Ich möchte ein Neugeborenes sehen können, ohne zu denken ‚verdammte Überbevölkerung‘, sondern mit dem guten Gewissen dass dieser Mensch von Anfang bis Ende Teil eines nutzenbringenden Systems sein wird.“

um zu verdeutlichen wie bewegend es war, was dieser mensch da von sich gab, sei erwähnt dass er selbst mir, einem vegan veranlagten vegetarier aus umweltbedenken, vollkommen nachvollziehbar darlegen konnte dass vegetarismus halbwegs überflüssig sei. in der vision die er zeichnete können wir frei wie löwen durch die savanne laufen und tun was für uns natürlich ist. schluss mit der isolation des menschen vom natürlichen. wir sind natürlich. trotz aller dinge die wir erfunden haben und die noch anders aussehen als ’natürliche‘ dinge. spätestens nachdem er von enzymatisch abbaubaren p1010034autos, kompostierbaren flugzeugsitzen, die die luftqualität verbessern und recyclebaren handys gesprochen hatte, war klar dass wir nicht die bösen kinder von mutter natur sein müssen, dass wir nicht versuchen müssen, alles auf null zu reduzieren und am besten garnicht da zu sein. wir müssen einfach nur aufhören dinge herzustellen, ohne dabei an das ‚danach‘ zu denken, das recycling von vornherein einplanen, stoffkreisläufe einrichten und nicht mehr nur eine richtung zu beschreiben, nämlich von A nach B, von produktiv/passiv zur müllkippe. wir brauchen produktiv/passiv zu produktiv/passiv, denn nur dann läuft der laden weiter.

das war elektrisierend. die restliche zeit verflog, der kopf war voller ideen und draußen wurde es langsam dunkler.

Das Einzige was uns noch beschäftigte war die Rolle von Utopia, bzw. den viel erwähnten ‚Utopisten‘. Was tun sie? Was können sie tun und was taugt die viel beschworene Unparteilichkeit? Ist das nicht auch unser eigener Ansatz? Warum sind wir denn dann keine Utopisten und die ganzen Utopisten keine Piraten? Das sind Sachen woran wir arbeiten müssen und Dinge die im nächsten Forum zum Thema ‚Banden bilden mit dem Nikolaus‘ am 06.12 definitiv Thema sein werden.

Alles in allem hat uns der Besuch des Utopia-Awards sehr gut gefallen. Gespannt auf den Content der Foren dieser großen Community werden wir als Utopisten auf dem Papier online deren Entwicklung verfolgen und mitgestalten. Utopisten auf dem Papier, weil wir in Wirklichkeit Pragmatiker sein wollen und Angst davor haben, dass allein der Begriff Utopist einlullt, dass es beim träumen bleibt, dass die qualität der utopisten in bezug auf ihre fähigkeit die verhältnisse zu verändern hinter ihrer quantität zurückbleibt. Aufgrund der Frage ob der Imperativ ‚Kauf dir eine bessere Welt‘ rein taktisch oder mangels einer kreativen Sichtweise außerhalb kapitalistischer Rollenbilder entstanden ist. Wie wäre es mit ‚Erschaffe eine bessere Welt‘. Nicht nehmen, sondern geben. Vielleicht wollen wir eher Atopie. Aber auf jeden Fall sind wir Verbündete und ziehen an einem Strang. Wir wollen die Wandlung der bestehenden Verhältnisse, Utopisten sind Piraten. Wir wünschen Utopia genügend Selbstironie und kritischen Scharfsinn, dass sie diese Zeilen nicht missverstehen – wir sind auf eurer Seite. Und wir wünschen allen Utopisten genügend Weitsicht und Toleranz um auch die Ansätze anderer zur Veränderung der Welt zu verstehen, zu akzeptieren und sich zu Nutze zu machen.

change-is-good

Dieser Artikel wurde verfasst von pierre

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2 Antworten to “utopia-award”

  1. „Wir wünschen Utopia genügend Selbstironie und kritischen Scharfsinn, dass sie diese Zeilen nicht missverstehen – wir sind auf eurer Seite.“

    Ich guck mich gerade in der Redaktion um und die spaßbefreite Zone haben wir momentan outgesourct. Man darf also hoffen.

    Würde ja so gerne Capture the Flag mit euch spielen, aber bin gerade nach München umgezogen 😦

  2. 🙂 – hat oursourcing also doch vorteile!

    schade dass du nicht kannst, aber in münchen sind wir auch! vielleicht stellt otis vor ort ja mal was auf die beine, der hat nur grad so viel zu lernen..

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