Ursache und Wirkung – Protokollierung zur Studienoptimierung

..die kunst des studierens will gelernt sein

..die kunst des studierens will gelernt sein

Egal worum es geht, weiß man wie die Bestandteile eines Systems funktionieren, kann man sich diese Kenntnis zu Nutze machen indem man das System dergestalt manipuliert, dass es mit seiner Funktion den eigenen Vorstellungen entgegen kommt.
Nehmen wir zum Beispiel den Ackerbau. Nachdem der Mensch entdeckte, dass essbare Pflanzen aus Samen wuchsen, lag es nahe diese Samen auszusäen um anschließend die Früchte zu ernten.Wenn man weiß wie ein Auto funktioniert ist es möglich durch den Austausch von Teilen die Leistung zu erhöhen (Tuning), oder man findet heraus wie man die Sicherheitssysteme eines Datenspeichers umgeht um dann an die darauf gespeicherten Informationen zugreifen zu können etc.

In all diesen Beispielen werden Erkenntnisse dazu genutzt allgemeine Gesetze zu postulieren („Wenn ich einen Samen in die Erde steck und gieße, wächst da früher oder später was leckeres“) und sich diese Gesetzmäßigkeiten dann zu Nutze gemacht, wobei jedes zu Nutze machen auch gleichzeitig ein Experiment auf die Gültigkeit des angenommenen Gesetzes ist. Das Vorgehen ist also ein wissenschaftliches.

Entscheidend dabei ist aber ganz am Anfang das Sammeln von Daten, aus denen man dann Zusammenhänge zu erkennen vermag, bzw. überhaupt erst weiß was Sache ist.

Wenn ich nicht weiß dass es Sauerstoff in der Luft gibt, wie soll ich auf die Idee kommen ihn aus der Luft abzuscheiden oder anzunehmen dass er limitierender Faktor bei Verbrennungen ist?

Geht nicht! Ganz allgemein: Man kann nicht über Dinge nachdenken die man noch nicht kennt!

Nun aber zu der Schlussfolgerung um die es hier gehen soll:

Wenn ich irgendeine Sache kennenlernen will, oder verbessern bzw. mir zu Nutze machen will, so brauche ich empirische Daten über die Beschaffenheit, die Umgebung und das Verhalten dieser Sache. Ganz egal welche. Das klingt ziemlich einleuchtend, aber die Konsequenzen werden selten daraus abgeleitet.

Wenn ich jetzt nämlich mein Verhalten in Bezug auf ein bestimmtes Ziel hin optimieren möchte, so muss ich erst einmal überhaupt wissen, wie ich mich verhalte! Ich muss es mir bewusst machen. Wenn man irgendjemanden fragt welchen Teil des Fußes er beim Treppensteigen zuerst aufsetzt, so wird man selten bis nie eine brauchbare Antwort erhalten, einfach weil sich da keiner einen Kopf drüber macht – es sei denn dieser jemand ist besonders erfolgreich im Treppensteigen, denn dann sind dies Dinge die er herausgefunden hat, über die er nachgedacht hat und die er sich zu Nutze gemacht hat. So ist es in allen Dingen. Professionelle Schachspieler können sich an ihre Partien erinnern, gesund ernährte Menschen wissen welche Dinge sie wann gegessen haben und Profisportler haben ein Trainingskonzept bzw. Trainingsbewusstsein dass es ihnen ermöglicht ihre Handlungen mit den Effekten abzugleichen.

Wenn man also darüber Bescheid weiß, was man tut und was die Folgen dieser Handlungen sind, so kann man sich daraus allgemeine Gesetzmäßigkeiten ableiten und sich diese dann zu Nutze machen.

Jetzt werden wir aber endlich mal konkret:

Studieren! Lernen! All sowas ist genauso eine Kunst wie alles andere auch.

Wer richtig erfolgreich studieren oder lernen möchte muss herausfinden inwiefern das eigene Verhalten in Bezug auf das Studien- oder Lernziel ausgerichtet ist.

Dazu ist es notwendig sich sein Verhalten bewusst zu machen, dabei kann es helfen ein Protokoll zu führen. Detaillierter als ein Tagebuch wird darin alles aufgelistet was man so macht. Nach zwei Wochen hat man dann meistens schon so viele Daten dass man eindeutig erkennen kann warum gewisse Dinge so oder so laufen. Warum hab ich in der und der Klausur versagt?

12:30 Aufstehen

12:40 Frühstücken und Zeitung lesen

13:45 Emails checken

14:20 Lernen

14:30 Abgelenkt durch Anruf

14:50 Lernen

14:55 Nochmal gucken ob Person XY mir bei Studivz geschrieben hat anstatt endlich mal länger als 10min zu lernen..

[…]

Meistens kommt es schon gar nicht mehr dazu dass diese Punkte aufgeschrieben werden, denn dadurch dass man sich bewusst wird, dass man eigentlich etwas vollkommen anderes macht als dass, was man eigentlich machen wollte, kann man sein Verhalten korrigieren.

Führt man diese Liste konsequent ca. zwei Wochen, dann kann man daraus so dermaßen viele Dinge erkennen die einem beim Erreichen des eigenen Studienziels behilflich sind, dass sich die eigene Leistungsfähigkeit um 20-100% verbessern kann (Rients R. Ritskes – Zen in der Kunst des Lernens – Hermann Bauer Verlag 1993).

Und das ohne zum Erledigungszettelschreiber zu mutieren. Natürlich siehts manchmal irgendwie merkwürdig aus wenn man ständig seinen Zettel zückt und sich notiert was man gerade macht, doch das ist Forschung manchmal auch: Merkwürdig aussehen!

Dieser Artikel wurde verfasst von pierre

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‚Ursache und Wirkung – Protokollierung zur Studienoptimierung‘ und alle seine Bestandteile stehen unter einer Creative Commons Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 Deutschland Lizenz.

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2 Antworten to “Ursache und Wirkung – Protokollierung zur Studienoptimierung”

  1. Fuchs mit Rattenschwanz Says:

    ziemlich cooler text! gerne mehr von dieser art!

  2. madame o. Says:

    gefällt mir auch sehr gut!

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