Konflikt zwischen Ökologie und Ökonomie

Landwirtschafts-immanente Probleme, also solche, die aus den heutigen Methoden der Landwirtschaft entspringen:

Die Prinzipien der kapitalistischen Ökonomie verlangen Effizienz in Bezug auf die Produktion zum Zwecke der Profitmaximierung:
mehr Erträge (gegenständlich)
mehr Erträge (zeitlich)
preiswertere Produktion

Um gegenständlich mehr Erträge zu erzielen, wenden Landwirte folgende umweltschädlichen Methoden an:
• Anreicherung des Bodens mit Nährstoffen
(führt zu) Eutrophierung der Gewässer (Überanreicherung von Nährstoffen, z.B. Stickstoff)
• größere Äcker, größere Maschinen
Bodenverdichtung
Steigerung der Bodenerosion (durch Verdichtung)
Störung der Bodenmikrofauna
• Zucht von Pflanzen und Tieren
größere Anfälligkeit der Kulturpflanzen
Verwendung von Pestizide, die auch ins Grundwasser gelangen
Verringerung der Artenvielfalt
Belastung von pflanzlichen und tierischen Produkten mit wertmindernden Inhaltsstoffen (z. B. Pestizide, Nitrat, Antibiotika, Hormone, Beruhigungsmittel)
steigende Resistenz d. Krankheitserreger/Schädlinge
• Verwendung von Dünger, kürzere Fruchtfolgen
Verringerung des Gehalts an wertgebenden Inhaltsstoffen (z. B. aufgrund Kunstdüngereinsatzes)
Humusabbau

Landwirtschafts-externe Probleme, also solche, die mit der Landwirtschaft verknüpft sind, aber nicht in den landwirtschaftlichen Methoden enthalten sind:

• Nachfrage
der Fleischkonsum nimmt aufgrund des zunehmenden Wohlstandes der Schwellenländer, darunter v.a. China und Indien, beständig zu
Viehfutter wird zunehmend angebaut und verdrängt Grundnahrungsmittelanbau für Menschen (große Firmen habe ihre Hand im Spiel, vergeben z.B. günstige Kredite)
die allgemeine Nachfrage nach Grundnahrungsmitteln nimmt beständig zu
• nationale Interessen
Schutzzölle der EU
z.B. ökologische Landwirtschaft ist für Dritteweltländer meistens zu teuer

WIR WOLLEN ABER EXPLIZIT AUF DIE KLIMASCHÄDLICHEN FOLGEN DER LANDWIRTSCHAFT EINGEHEN.

Viehhaltung & -zucht

Lachgas (N2O)
• Lachgas entsteht vor allem dort, wo es hohe Nitratgehalte und/oder Ammoniak-Konzentrationen gibt in Kombination mit anaeroben Zuständen, wie z.B. verdichtetem Boden
Einstreu-, und darunter insbesondere Tiefstreuverfahren (also der Einsatz von Stroh), erschaffen solche Umstände, die durch hohe Umgebungstemperaturen verstärkt werden können

Methan (CH4)
• Bei der Viehhaltung in Bezug auf Klimaschädlichkeit kommt vor allen der Rinderhaltung und -zucht eine bedeutende Rolle zu:
Während der Verdauung der Rinder entsteht durch Fermentation das Abfallprodukt Methan; in Deutschland entsteht so allein ein Viertel der landwirtschaftlichen Treibhausgase
Methan entweicht den weltweiten Wiederkäuern mit einer Treibhauswirkung von rund zwei Milliarden Tonnen CO2-Äquivalent.
• dazu kommt (also ökonomische und soziale Komponente):
fast ein Drittel der eisfreien Erdoberfläche ist mit Viehweiden bedeckt
jährlich verschlingt das Vieh 77 Millionen Tonnen Nahrung, die auch Menschen essen könnten. Die Fleischerzeugung durch alle Tiere liegt global aber nur bei 58 Millionen Tonnen pro Jahr.

Brandrodung

Bäume nehmen Kohlendioxid aus der Luft auf und verwandeln es mit Hilfe des Sonnenlichts in Glukose; auf diese Weise kann das Treibhausgas neutralisiert werden
Bei der Brandrodung setzt das verbrannte Holz diesen Kohlenstoff frei, der dann durch Oxidation zu CO2 wird
Allein die Rodung von Wäldern für Weiden und Ackerland entlässt nach FAO-Daten jährlich 2,4 Milliarden Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid (CO 2 ) in die Luft
etwa 15 Prozent des weltweiten Kohlendioxid -Ausstoßes gehen auf das Konto der Brandrodungen
Die Vernichtung der Urwälder ist in mehrfacher Hinsicht schädlich für das Weltklima: Zum einen verschwinden die Bäume, die Kohlendioxid aufnehmen können und Sauerstoff abgeben, zum anderen wird durch Brandrodungen sehr viel Kohlendioxid freigesetzt.

Problem Soja
• In Folge des BSE-Skandals wird in Europa nicht mehr Tiermehl, sondern Soja verfüttert
Die Bundesrepublik ist Europas größter Sojaimporteur
• Blairo Maggi, der weltweit größte Sojaproduzent, ist zugleich Gouverneur des Bundesstaats Mato Grosso
Ein Sojafeld kann kein Wasser mehr speichern. Bislang nimmt der Regenwald Wasser auf, speichert es und transpiriert es wieder. Auf diese Weise entsteht ein Niederschlagskreislauf, der in Afrika beginnt und an den Anden endet. Nun aber fließt immer mehr Regenwasser ab, anstatt aufgenommen zu werden – und geht so dem Kreislauf verloren.
Soziale Komponente:
33 Prozent der Ackerfläche wird Futter fürs Vieh angebaut

Fermentation = Umsetzung von biologischen Materialien mit Hilfe von Bakterien-, Pilz- oder Zellkulturen oder aber auch durch Zusatz von Enzymen
FAO = Food and Agriculture Organisation of the United Nations

Viehhaltung & Brandrodung

Zählt man die Wirkungen aller Rinder, Schafe, Schweine und Geflügel zusammen, und berücksichtigt man dazu noch die CO2 -Emissionen einer weltweit immer mehr industrialisierten Landwirtschaft, kommt man laut FAO zu einem »enormen Beitrag der Viehzucht am Treibhauseffekt«: 18 Prozent, mehr als der gesamte globale Verkehr und fast so viel, wie die USA in die Atmosphäre blasen.
Großgrundbesitzer, Viehbarone und Spekulanten brennen riesige Urwaldgebiete nieder, um darauf Rinder zu weiden, Viehfutter, Soja, Öl- oder Holzplantagen zu pflanzen.

Extramaterial

Probleme:
• Dazu kommen die durch das Abbrennen der Regenwälder hervorgerufenen Emissionen und die Ausbreitung der Großtermiten. Deren Zahl sei im Gefolge der Ausbreitung der Rinderweiden im Regenwald explosionsartig gestiegen, schreibt Reichholf. Da sie bei der Verdauung ebenfalls Methan bildeten, heizten auch sie die Atmosphäre auf: »Tropisches Grasland wirkt im Gegensatz zu den Böden der Pampas, Prärien und Steppen nicht als Speicher für Kohlendioxid, sondern als Quelle für Methan«, so der Wissenschaftler. »Das macht die Umwandlung von Tropenwald in Weideland aus Sicht der Klimaveränderung so problematisch.«

Lösungsvorschläge:
• Veränderte Futtermischungen nutzen allerdings nur dort, wo es regulierte Fütterungen gibt und bei den in Australien, Neuseeland, Argentinien oder Brasilien üblichen riesigen, frei laufenden Rinderherden ist daran nicht zu denken. Aber es gibt andere Strategien:
Eine Möglichkeit ist, den Rindern einen »Bolus« in den Magen zu führen, eine Riesen-Tablette von der Größe zweier Tennisbälle, die stetig kleinste Mengen von
Polyether-Antibiotika abgibt. Der Stoff wandelt im Magen einen Teil der für die Methanproduktion verantwortlichen Essigsäure in die weniger aggressive Propionsäure um. Das Verfahren wurde lange genutzt, um die Energieverluste durch den Methanausstoß zu verringern und Mastbullen schneller wachsen zu lassen. Doch 2004 untersagte die Europäische Union dieses Vorgehen wegen der Diskussion um Antibiotika in der
Viehzucht. »Heute ist das ein verbranntes Thema«, sagt Drochner, »dafür gibt es keinen Pfennig Forschungsgeld.«
• extra: pyrogener Kohlenstoff

Dieser Artikel wurde verfasst vom raben

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‚Konflikt zwischen Ökologie und Ökonomie‘ und alle seine Bestandteile stehen unter einer Creative Commons Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 Deutschland Lizenz.
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