kreis der archivare:protokoll lesekreis montag 23.juni (#1)

am letzten montag trafen wir uns zu dritt zum ersten lesekreis. gelesen wurde das vorwort und das erste kapitel ‚Die Ware‘ aus dem ersten abschnitt ‚Ware und Geld‘ von karl marx‘ aus ‚das kapital‘.

nachzulesen ist dieser text hier.

wichtige stellen die wir diskutiert haben waren:

  • inflation. nach wikipedia ist inflation: „Inflation (von lat.: „das Sich-Aufblasen; das Aufschwellen“) bezeichnet in der Volkswirtschaftslehre einen andauernden, „signifikanten“ Anstieg des Preisniveaus. Es verändert sich also das Austauschverhältnis von Geld zu allen anderen Gütern zu Lasten des Geldes. Daher kann man unter Inflation auch eine Geldentwertung verstehen. Letztlich ist eine Inflation ohne eine überschießende Geldmenge (Geldpolitik) nicht denkbar.“ wir diskutierten ob inflation in folgendem szenario vorliegt: zwei leute sitzen in der wüste. der eine hat fünf dosen pfirsiche der andere zehn taler. da in ihrem system nichts anderes vorhanden ist als diese zwei dinge gingen wir davon aus, dass sie sinnvollerweise einen preis von 2t pro dose festlegen würden (auch wenn man in der wüste echt einfach so beides teilen könnte, aber egal). gehen wir weiter davon aus, das der pfirsichdosen besitzer eine dose pfirsiche isst. dadurch entzieht er dem system waren. das heißt es ist mehr geld im system. demnach müssten die preise pro dose pfirsiche steigen. wir fragten uns nun ob allein dies reichen würde um von inflation sprechen zu können. laut wikipedia wäre diese situation schon irgendwo inflation, wir wollen dies weiter klären und beim nächsten mal diskutieren.
  • in dem text wird zwischen tauschwert und gebrauchswert unterschieden und versucht beides zu definieren. wir haben versucht die beiden einzeln zu verstehen und herauszufinden und verbindungen bzw. wechselwirkungen zwischen beiden festzustellen. folgendermaßen habe ich die beiden verstanden.

gebrauchswert: ein gebrauchswert ist stofflicher natur, z.b. ein besen, ein ei, ein auto oder ein haufen holz.

Der Gebrauchswert verwirklicht sich nur im Gebrauch oder der Konsumtion. Gebrauchswerte bilden den stofflichen Inhalt des Reichtums, welches immer seine gesellschaftliche Form sein. In der von uns zu betrachtenden Gesellschaftsform bilden sie zugleich die stofflichen Träger des – Tauschwerts

er hat bestimmte eigenschaften und einen nutzen, der ihn erst zum gebrauchswert als solchen macht.

Die Nützlichkeit eines Dings macht es zum Gebrauchswert. Aber diese Nützlichkeit schwebt nicht in der Luft. Durch die Eigenschaften des Warenkörpers bedingt, existiert sie nicht ohne denselben.

tauschwert: Der Tauschwert ist immatriell, er vereinheitlicht alle unterschiedlichen warensorten zu schlichten zahlen, die sich gegenseitig austauschen lassen. barbon sagt:

Die eine Warensorte ist so gut wie die andre, wenn ih Tauschwert gleich groß ist. Da existiert keine Verschiedenheit oder Unterscheidbarkeit zwischen Dingen von gleich großem Tauschwert.

letztlich beschreibt marx noch den warenwert, bzw. arbeit und ihr produkt, den wert als reines resultat der verausgabung menschlicher arbeitskraft. fraglich ist ob er damit auch den tauschwert meint oder nur einen weiteren abstrakten wert der einer ware innewohnt. ich denke eher dass er zwischen tauschwert und warenwert an sich unterscheidet.

wichtig: warenwert ist nicht preis!

warenwerte sind abstrahierte menschliche arbeit, welche als verausgabung menschlicher kraft über einen gewissen zeitraum angesehen werden können. ohne diesen grundsätzlichen wert einer ware, kann kein gebrauchswert oder gut einen wert haben, denn nur die arbeit macht aus einem rohstoff eine ware, einen arbeitszeit enthaltenden gebrauchswert.

„Ein Gebrauchswert oder Gut hat also nur einen Wert, weil abstrakt menschliche Arbeit in ihm vergegenständlicht oder materialisiert ist. Wie nun die Größe seines Werts messen? Durch das Quantum der in ihm enthaltenen „wertbildenden Substanz“, der Arbeit. Die Quantität der Arbeit selbst mißt sich an ihrer Zeitdauer, und die Arbeitszeit besitzt wieder ihren Maßstab an bestimmten Zeitteilen, wie Stunde, Tag usw.“

diese zeit allein macht den wert einer ware aber nicht aus, vielmehr kommt es auf die produktivkraft an, die die arbeit in warenwerte/volumen übersetzt. denn wo die arbeit einfach nur abstrakt ist, bildet die produktivkraft die brücke zur materiellen wirklichkeit. sie spiegelt zugleich arbeitsbedingungen, rohstoffvorkommen und geschicklichkeit des arbeiters wieder. die arbeit die verrichtet wird ist also schlichtweg die abstrakte ‚durchschnittsarbeitskraft‘ die hinter den kulissen geleistet wird und sich durch die produktivkraft in der realität als güter mit warenwerten vergegenständlicht. demnach ist es auch egal wie lang jemand an einem produkt arbeitet, denn der wert wird von der abstrakten arbeit, die in das produkt ‚kristallisiert‘, ausgemacht.

„Die Arbeit jedoch, welche die Substanz der Werte bildet, ist gleiche menschliche Arbeitskraft, Verausgabung derselben menschlichen Arbeitskraft.“

dabei sind die werte der waren wieder schlichtweg zahlen, die sich gegeneinander aufwiegen lassen .

„Als Werte sind alle Waren nur bestimmte Maße festgeronnener Arbeitszeit.“

um überhaupt eine ware als solche zu schaffen, muss die verrichtete arbeit für die gesellschaft geleistet werden, bzw. um das produkt der gesellschaft anzubieten. eine arbeit zur eigenen befriedigung, schafft zwar gebrauchswert, aber nicht ware.

endlich kann kein ding wert sein, ohne gebrauchsgegenstand zu sein. ist es nutzlos so ist auch die in ihm enthaltene arbeit nutzlos, zählt nicht als arbeit und bildet daher keinen wert

in dem erste kapitel begegneten uns folgende – unverständliche – begriffe:

  • residuum. lat. ‚das zurückbleibende‘, zu residuus ‚zurückgeblieben‘. es handelt sich um einen rest, etwas übriggebliebenes. marx verwendet den begriff im zusammenhang des tauschwerts den er als residuum einer ware sieht, sofern man alles stoffliche entfernt, also den materiellen gebrauchswert oder nutzen, sowie die qualität der geleisteten arbeit.
  • culpa levis. „kleine schuld“ – juristischer begriff für leichte fahrlässigkeit.
  • contradictio in adjecto. auch Widerspruch in sich oder unmittelbarer Widerspruch, von lat. Widerspruch in der Beifügung/Hinzufügung, ist in der Terminologie der traditionellen Logik ein Widerspruch innerhalb eines Begriffs, das heißt ein Widerspruch, der darin besteht, dass der Begriff Merkmale enthält, die ihm selbst widersprechen. Eine contradictio in adiecto liegt zum Beispiel im Begriff „rundes Quadrat“ vor. Im weiteren Sinn wird auch der widersprüchliche Begriff als Ganzes als contradictio in adiecto bezeichnet.

allgemein wurden im ersten kapitel also die verschiedenen bedingungen und inhärenten werte einer ware beschrieben.

nächsten montag treffen wir uns wieder um 18:30 im mathilde literaturcafé, bogenstraße 5, hamburg.

warum?

weil es dinge gibt die wir nicht verstehen, von denen wir wissen wollen wie sie funktionieren, warum menschen arm sind und andere reich, warum manche gute bildung erhalten und andere schlechte, was medien mit uns machen, wie geld funktioniert und wie man sich wehrt und dinge verbessert die verbessert werden müssen.

rabe sagt:

Und ich bin überzeugt, dass ich dieses Ziel nicht alleine erreichen kann. So viele Menschen haben dies schon versucht und Erklärungsansätze formuliert, doch keiner ist auf die Weltformel gestoßen. Ich brauche die Hilfe von allen Menschen, genau wie Du die Hilfe von allen Menschen brauchst, um dem „Warum?“ nachzugehen. Ich brauche Deine Gedanken, wie Du meine Gedanken brauchst, und wir beide brauchen die Gedanken von den Menschen, die schon mal darüber nachgedacht haben.

Deswegen ermutige ich Dich an dieser Stelle zum Lesekreis zu kommen: Der Verstand wird unser Ross sein, das Lesen uns’re stählerne Rüstung, das Gespräch unser klingendes Schwert und der Kreis wird unsere Kampfformation! Weil wir Macht begreifen und nicht ausüben wollen!

deshalb.

lies auch den aufruf zum lesekreis hier.

Dieser Artikel wurde verfasst vom kater

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